Dienstag, 25. März 2014

Der letzte kalte Schluck Kaffee

Soziale Interaktionen verlassen das Schulgelände nicht mehr, obwohl wir doch so sehr wollten, dass das alles bestehen bleibt, wir wollten doch so unbedingt, dass wir immer für einander da sind.

Doch inzwischen wissen wir nicht, wie miteinander zu reden ist.
Es ist nicht so, dass alles besprochen wäre, uns fehlt jediglich ein Ansatz an Interesse und Motivation.

Ich wollte doch leben. Und glücklich sein.
Ich wollte Sternschnuppen verwünschen, für die Dinge, die mir so tief auf dem Herzen liegen, dass ich sie nur in betrunken ausspreche,
wollte Grashalme zählen und rupfen, mit ihnen meine Geschichten erleben, im Sonnenlicht lesen,
wollte so viel schöner aussehen, als es sich gehört, wahrhaftig lächelnd neue Erfahrungen machen
und leben. Und glücklich sein.
Doch die leeren Hüllen unserer Wachheit schleppen sich nur noch vom Kursraum zur Raucherbrücke, die gesammelte Nervosität der vergangenen 5700 Sekunden rauszulassen und sich auf die nächsten vorzubereiten.

Wir leben nicht mehr, wir sind mehr als verstaubt. Mehr als abgenutze Medallions, deren Einkerbung zum verschließen abgekratzt ist.
In uns scheint sich fast kein Wille mehr zu verstecken,
wie können wir das einfach hinnehmen?
Uns unsere Jugend selbst rauben?

Es gibt kein später und wir haben schon so viele Fehler gemacht,
wieso haben wir aufgehört, aufgegeben, alles vollends zu genießen?

Samstag, 22. März 2014

Es ist 490 Tage her.

Vor 490 Tagen habe ich zuletzt gepostet. Es war ein Samstag im November.
Ich möchte erzählen, was in der Zwischenzeit passiert ist.

Niklas hatte mich verlassen. Nachdem wir viele Monate miteinander geschrieben hatten, hat er mich nach seinem Besuch bei mir 'verlassen', dadurch, dass er nie wieder Zeit hatte. Nie wieder mit mir geschrieben hat.
Das hat mich verletzt, wirklich. Ich hab mir eingeredet, dass ich ihn ganz schnell vergessen werde, so wie ich andere vergessen kann. Und ich wollte mehr, ich wollte mehr rummachen und mehr verbotenes und all diese Sachen.
Ich fing Anfang Oktober 2012 an zu rauchen und hörte bis heute nicht auf.
Immer eine Zigarette, wenn du kurz davor bist zu weinen, jeden Tag eine und du drehst nicht durch.
Dann war ich mit Joel zusammen, ein Typ, der langweilig ist, mich gezwungen hat mit ihm Twillight zu gucken und sich von mir mit jeder Selbstverständlichkeit hat bekochen lassen.
Dafür war ich aber auch meine Jungfräulichkeit los.
Das, was mich zuvor einschränkte, dieses Wannabe-Heiligtum, hatte ich überstanden und wollte mehr. Mehr sein, als nur das kleine Mädchen, dass zu früh falsche Entscheidungen trifft.
Ich wollte leben, ausgiebig und wild.

Nachdem ich Ende November mit Joel Schluss gemacht hab, fing Ende Dezember meine Zeit mit Tim an.
Wir trafen uns für Sex, vorerst, aber irgendwie hatte sich daraus über die Osterferien etwas entwickelt.
Wir wollten uns zwar sehen, aber wussten nicht, was es zu tun galt, als wir die Chance hatten.
Und wir kamen zusammen.
Wir waren immernoch nicht mehr, als Friends-with-benefits, aber immerhin zusammen.
In der Zeit fing es an, dass meine besten Freunde Probleme kriegten, unglücklich waren.
Sie hatten Sex mit einem Jungen, den sie kaum kannten (nicht viel besser als ich) und sind sich gegenseitig 'fremdgegangen'.
Aus unserem sorgenfreien Leben wurde ein Teufelskreis.
Wir waren unglücklich, also wollten wir betrunken sein, wir waren betrunken, also wollten geliebt werden, wir wollten geliebt werden, also hatten wir Sex, wir hatten lieblosen Sex, also waren wir unglücklich.
Ich saß zwischen 2 Stühlen. Meinem Liebesleben und das Leben meiner besten Freunde. Ich wollte für sie da sein, hab mich deshalb auch oft mit Tim gestritten. Unser oberstes Ziel war es zusammen zu bleiben, wir alle.

Dann lernte ich Sarah kennen, am 18.04.. Ich kannte sie schon aus meinem Philosophiekurs, aber am 18.04. zeigte ich ihr mein Leben.
Sie kam mit zu Annika, Florentine und mir, wir rauchten eine und beschlossen mit Sarah zu picknicken.
Und so wurden wir Freunde.
Annika, Flo und mir ging es weiterhin schlecht und Sarah passte irgendwie dazu und hat auch versucht uns zu helfen.
Und irgendwann war es so weit. Annika versuchte sich umzubringen.
Es war ein Donnerstag, der 20., unser neue Freitag der 13..
Und grauenhaft. Ich lief aus der Schule in den Wald, den wir alle so sehr liebten, rauchte 2-3 Zigaretten und versuchte irgendwie mein Physikheft zu retten.
Dann rief ich Tim an und heulte mich bei ihm aus.
Zuhause erzählte ich meiner Mutter von der ganzen Geschichte, ich suchte irgendeinen Rat und ich wollte so sehr, dass Annika zurück kommt, wir wollten doch nur für sie da sein.
Und ich durfte nicht mit ihr reden.
Garnicht.
Einige Tage später wollen Sarah, Flo und ich uns treffen, aber Flo ist wie immer zu spät.
Wir gehen zu ihr, klingeln, rufen an, simsen ihr und irgendwann krieg ich einen Anruf von Luzie, Flos kleiner Schwester.
Luzie: Hay Ina, ich geb dir mal meine Mutter.
Ich: Okay..
Flos Mum: Hallo Ina. Du darfst nicht versuchen Flo zu erreichen. Sie hat versucht sich umzubringen und wir sind gerade auf dem Weg in die Klinik.
Ina?
Ich: ..Okay.
Flos Mum: Okay.
Und das war zu viel. Annika UND Flo weggenommen zu kriegen. Gleichzeitig einen Freund, der mir ein schlechtes Gewissen macht und neben mir von anderen Mädchen, meinen Freunden, schwärmt.
Ich machte schluss.
Ich konnte so viel nicht mehr.
Flo durften wir besuchen in den Sommerferien, sind dann mit ihrem Vater zusammen dahin gefahren und haben mit ihr über die Klinik und alles geredet.
Annika hätte sich von sich aus bei uns melden können, hat sich aber dagegen entschieden und es hat mich fertig gemacht.
Ich hab so sehr versucht für sie da zu sein und mir so viel Mühe gegeben und sie zieht es vor sich mit dem Jungen, der ihr gesagt hat, dass sie sich doch umbringen soll, meinem Ex-Freund Tim, zu treffen? Es in Kauf zu nehmen, dass ich dadurch verletzt werde?

Es tat mir alles so leid. Ich gab mein bestes nur noch für andere da zu sein und ertrank in meinem eigenen Kummer.
Ab da war es schwierig.
Als Annika und Flo wieder aus der Klinik raus waren trafen wir uns zwar noch, aber nie wieder so wie vorher, als wir leben wollten.
Der Kontakt allgemein nahm ab, auch zwischen Sarah und mir, wir hatten alle irgendwie Streit.
Dann hatten wir Streit mit Sarah, weil sie sich mit Flo gestritten hat, dann waren Sarah und ich wieder befreundet..
Nun sind Sarah und ich von Annika und Flo angepisst, weil es immernoch immer nur um sie geht und wir nicht wirklich das Gefühl haben, dass sie diese ganze Aufmerksamkeit weiterhin verdient haben.
Ich war mit Jason zusammen. 5 Monate, bis vor einem Monat. Aber er hat mich auch schlecht behandelt und ich will das nicht mehr.

Ich möchte doch nur glücklich sein können.
Damals mit Niklas ging das.
Ich denke so oft an ihn.
Ich vermisse ihn so sehr.

Das, was am schwierigsten ist, ist hinzunehmen, dass ich einfach nicht gut genug bin um geliebt zu werden.